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Troia aus der Sicht der Kritiker
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Troia: Archäologie, Geschichte, Mythos (Taschenbuch) Troia - Archäologie, Geschichte, Mythos. So lautet der Titel von Dieter Hertels Buch, das 2001 in der Beck'schen Reihe erschienen ist. Darin unternimmt es der Münchner Professor für Klassische Archäologie, den antiken Ort an den Dardanellen vorzustellen und seine Rezeptionsgeschichte zu vermitteln. Das Buch ist flüssig geschrieben, enthält allerdings bei der Beschreibung der archäologischen Besonderheiten einige Klippen für den Nicht-Fachmann. Wichtig ist auch die reiche Ausstattung mit Abbildungen und Karten, die das Verständnis ungemein erleichtern. Dennoch ergeben sich zwei Mängel, daher die Bewertung mit nur 3 Sternen. Zum einen ist da die Intention des Bändchens. Hertel zählt zu der Gruppe der sogenannten „kritischen Wissenschaftler" um den Tübinger Ordinarius für Alte Geschichte, Frank Kolb, im Forscherkonflikt um Troia. Das Buch ist daher als eine Art Manifest dieser Denkschule zu lesen. Hertel streitet den Ruinen jeden größeren Erkenntniswert für die homerischen Epen Ilias und Odyssee sowie umgekehrt Homers Dichtungen jeden tiefgehenden Informationsgehalt für das bronzezeitliche Troia ab. Der Dichter bzw. seine Vorgänger hätten die Geschichten um den Troianischen Krieg vielmehr mehr oder weniger frei ersonnen. Das ist eine legitime Position, muss sich doch der Gegenspieler Hertels, der Troia - Ausgräber Manfred Korfmann, dessen kritische Fragen durchaus gefallen lassen. Für einen Band der Beck'schen Reihe jedoch, die ja dem Laien „das wichtigste Wissen" objektiv vermitteln will, ist diese Herangehensweise ungünstig. Es empfiehlt sich daher, das Buch bewusst als Gegenposition zu den Ergebnissen der derzeitigen Ausgrabungen in Troia zu lesen (etwa im Anschluss an J. Latacz, Troia und Homer - der Weg zu Lösung eines uralten Rätsels, Koehler und Amelang 2001; sowie die Reihe „Studia Troica" / Bd. 1 1991). Der zweite Punkt betrifft die Dichtung Homers. Mit dem Namen Troia sind die Epen Homers (8. Jh. v. Chr.) untrennbar verbunden. In jedem übergreifenden Buch zum Thema Troia müssen sie daher angesprochen werden und nach ihrer historischen Aussagekraft befragt werden. Das tut Hertel, jedoch unter Inkaufnahme von schwerwiegenden, auch dem Umfang des Bändchens zu schuldenden Verkürzungen. So enthalten die Verse Homers unbestreitbar sprachlich wesentlich ältere Elemente, die weit in mykenische Zeit (12./13. Jh v. Chr,) zurückreichen, also in ebenjene - nach Hertel ja nur imaginierte - heroische Zeit des Troianischen Krieges. An die Stelle der nächstliegenden Erklärung - mündliche Weitergabe zumindest einiger Kernereignisse aus mykenischer Zeit bis zu Homer - setzt Hertel eine andere These: Griechische Siedler nachmykenischer Zeit sollen sich die gewaltsame Eroberung Troias im Gefolge ihres Einsickerns in die Troas mehr oder weniger frei ausgedacht haben, bis schließlich Homer und seine Vorgänger einen ganzen Mythenkranz daraus gemacht haben. Eine aus Sicht der gegenwärtigen Graezistik, der sich auch der Verfasser dieser Zeilen zurechnet, recht fragwürdige Annahme. Sollte hier nicht die nächstliegende Erklärung immer die einleuchtendste sein? Insgesamt ist das Büchlein sehr informativ und interessant - jedoch vor allem bei vorhergehender Kenntnis der Gegenposition.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 25. Oktober 2002 | | | | | | | |
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